Geschafft!

Die Arbeit -meine Arbeit- am Buch ist beendet.

Insgesamt habe ich das Cover, über 20 Kapitel und ein recht umfangreiches Glossar illustriert. Und mittlerweile bin ich auch stolz auf mich. :)

Doch zuerst die wichtigen Infos: Wie kam es dazu? Worum geht es?

2024 hat eine Freundin von mir angefragt, ob ich Interesse daran hätte, für einen Bekannten ihrer Familie ein Buch zu illustrieren. Dieser habe sein Erstlingswerk verfasst und suche aktuell nach einer Person, die das ganze ausgestalten möchte. Nach ein bisschen hin und her über den Jahreswechsel entstand ein fester Kontakt zum Autoren und er schickte mir seinen Text und teilte mir seine Ideen mit.

Er hatte ein Kinderbuch geschrieben, dass für Kinder gedacht ist, die gerade anfangen selbst zu lesen. Größere Buchstaben - tierische Inhalte, alberne Figuren und doch ernste Situationen. Ich sagte zu. Die Idee ein Buch zu illustrieren, klang einfach verlockend. Ich mag auch die Art der Arbeitsaufteilung - für’s Schriftliche/Textliche sehe ich bei mir wenig Ambitionen und Begabung, aber ich habe ein grundlegendes Interesse daran, die Ideen anderer Menschen zu gestalten :D

Bisher hatte ich noch nie einen so „professionellen“ Illustrations-Job. Einen Auftraggeber, mit dem ich im E-Mail und Telefonkontakt stehe und mit dem ich einen Vertrag über unsere Zusammenarbeit erstellt habe. Generell worüber ich mich in der Zeit belesen habe: Was sind dafür Vertragsauflagen? Welche Rechte habe ich und welche Nutzungsrechte überlasse ich dem Autoren/einem Verlag? Auf welche Situationen muss ich mich in Fall X einstellen?

Es war einiges an schriftlicher und organisatorischer Arbeit, aber im Februar/März 2025 stand der Vertrag und ich räumte mir bewusst Zeit vom Tätowieren frei, um am Buch zu arbeiten. Der ursprüngliche Plan sah vor, dass ich im Sommer 2025 fertig werden würde.

Du kannst es gerade selber zusammen puzzeln: ich bin nicht im Sommer fertig geworden. Die letzten Illustrationen habe ich am 30.11.25 verschickt.

Zwei Neulinge in der Branche (Autor und Illustratorin) haben sich in Bezug auf Zeit, Energie, Absprachen und beim Einplanen unerwarteter Situationen verschätzt. Ich habe mich vollkommen überschätzt. Bei Tattoo-Ideen und Entwürfen lasse ich mir vor allem bei größeren Projekten gerne eine Nacht zum Überschlafen des Designs. Ich erstelle es am Vortag und am Tag des Tattoos schaue ich mit einem frischen Blick darauf - oftmals fallen mir kleine Details auf. Für etwas permanentes braucht es ein waches Auge und einen frischen Blick. Nicht anders war es bei meinen Illustrationen.

Bei mehreren Kapiteln bin ich im Zeichenprozess wirklich verzweifelt. Warum wirkt es nicht? Die Figuren an sich sind gut gezeichnet, aber irgendwas fehlt? Ein Detail? Der Kontrast? Ich konnte es (in meinem wirren Kopf) nicht benennen. Und nach ca. 10 Kapiteln hat es „Klick“ gemacht. Ich brauche klare Arbeitsschritte, damit mein Auge alles aufmerksam sehen und kann gleichzeitig mein Kopf nicht zu verwirrt ist.

  1. Linework / Skizzen aufräumen:
    Jeder Illustration ging eine Skizze voraus - teilweise digital und teilweise analog. Diese waren recht grob, aber trotzdem so ausgefeilt, dass ich einfach erkennen konnte, was ich darstellen will. Es ist die Phase, in der ich mir absolut sicher sein muss, was ich drin haben will und ob bestimmte Elemente gut platziert und dargestellt sind (Sehen die Hände gut aus? Ist etwas zu detailreich geworden? Hat das ganze eine sinnvolle Perspektive?). Wichtig ist: Erstelle ich von einer Illustration das Linework, werde ich es an diesem Tag nicht mehr anfassen und daran weiter arbeiten.

  2. Schattieren / Entscheidungen treffen
    Die Illustrationen im Buch sind schwarz/weiß und haben einen sanften Aquarell-Look. Alles wurde per iPad mit Procreate fertiggestellt. Das „Lebendig werden lassen“ der Zeichnungen hat die meiste Zeit in Anspruch genommen. Damit es clean, aber auch sanft wirkt, habe ich fast alles mit dem Lasso-Toll gestaltet. Dies bedeutet, ich habe alle Elemente umrandet und dann erst „ausgemalt“. Diese Arbeitsschritte waren zeitaufwendig. Für die meisten Illustrationen habe ich dabei 4h gebraucht. An einer größeren habe ich in dem Schritt 7h gesessen.

  3. Nochmal prüfen
    Je länger ich ein Bild angestarrt und mich auf jedes Detail gestürzt habe, desto abstrakter und komischer sahen meine Illustrationen aus. Während ich positives Feedback bekam, war ich irritiert - das Bild war gut? Ich brauchte Abstand davon - für ein lange Mittagspause oder auch für eine ganze Nacht. Manchmal auch für ein paar Wochen, in denen ich an anderen Sachen arbeitete. Mein größter Feind war die Unfähigkeit zum Kontrast. In 95% der Fälle meiner Unzufriedenheit hat den Bildern einfach etwas mehr Kraft/Kontrast gefehlt. Und als ich den innerhalb der Bilder hochgeschraubt habe und auch ein paar „ältere“ Kapitel nochmal bearbeitete, gefielen mir meine Bilder plötzlich richtig. Da war etwas starkes. Die Linien wirkten bewusster. Die Highlights sprangen regelrecht hervor.

Ich habe wirklich viel gelernt in diesem Prozess. Über dieses Jahr hinweg. Und vor allem die Kontrast-Sache möchte ich in meine Arbeit als Tattoo-Artist integrieren.

Doch was wird nun aus dem Buch? Wann kommt es raus?

Um ganz ehrlich zu sein - ich weiß es nicht genau. Es gibt mehrere Faktoren, die den Zeitpunkt der Veröffentlichung beeinflussen und mit denen ich (außer der massiven Verzögern meiner Abgabefrist) nichts mehr zu tun habe. Ich bin aber super gespannt, dieses Buch irgendwann in der Hand zu halten. Und es dir dann zu zeigen. Vor allem die albernen Figuren ;)

Liebste Grüße!

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Inktober 2025